Mystras – byzantinische Ruinenstadt am Rand des Taygetos-Gebirges

Auf einem Berg in den Ausläufern des Taygetos-Gebirges, nur einen Steinwurf vom antiken Sparta entfernt, liegt die Ruinenstadt Mystras. Die Stadt wuchs im 13. Jahrhundert um eine Bergfestung der Kreuzritter, die Wilhelm II. von Villehardouin im Jahr 1249 errichten ließ.

Die Halbinsel Peloponnes liegt im äußersten Südwesten des griechischen Festlandes. Sie ist eine geschichtsträchtige Region mit antiken Orten wie Mykene, Olympia und Sparta. Mystras entstand erst im Mittelalter, als das Weströmische Reich längst zerfallen war und in Mitteleuropa der Stauferkönig Konrad IV. die Geschicke des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation lenkte. Mystras stieg im Mittelalter zur bedeutendsten Stadt im Oströmischen Reich nach Konstantinopel auf. Heute erinnern nur noch Ruinen an die glorreiche Vergangenheit.

Mystras: Ergebnis des Vierten Kreuzzuges

Im Jahr 1202 startete unter tatkräftiger Mithilfe der Seerepublik Venedig der Vierte Kreuzzug. Ziel war die byzantinische Hauptstadt Konstantinopel, die von den Kreuzrittern erobert und geplündert wurde. Griechenland stand ab diesem Zeitpunkt nicht mehr unter der Kontrolle des Oströmischen Reiches und wurde unter den Franken aufgeteilt. Wilhelm II. von Villehardouin erhielt die Region Lakonien. Er ließ auf der Spitze eines bis zu diesem Zeitpunkt unbesiedelten Hügel am Rande des Taygetos-Gebirges eine Festung errichten und nannte sie Mystras. Doch die Franken konnten sich nicht lange an ihrem Sieg über die orthodoxen Christen erfreuen. Unter dem byzantinischen Kaiser Nikaia formierte sich der Widerstand und im Jahr 1259 wurde Wilhelm II. gefangen genommen. Nachdem er die Festung Mystras und weitere Burgen als Lösegeld an die Byzantiner abgetreten hatte, wurde er freigelassen und kehrte mittellos nach Mitteleuropa zurück.

Gründung und Niedergang von Mystras

Die Bewohner der Ebene wechselten nach dem Ende der fränkischen Fremdherrschaft den Wohnort und ließen sich im Schutz der Burg nieder. Es dauerte nicht lange und aus der kleinen Siedlung wurde eine blühende Stadt mit mehreren zehntausend Einwohnern. Ein Jahr nach der Fertigstellung der Festung Mystras wurde die nun gleichnamige Stadt zum Despotat Morea zusammengefasst und vom byzantinischen Kaiserhaus regiert. Den wirtschaftlichen Aufschwung verdankt die Stadt nicht zuletzt der Zucht von Seidenraupen und der Herstellung von Seidenstoffen. Die zahlreichen Maulbeerbäume im ehemaligen Stadtgebiet sind die stummen Zeugen dieser Vergangenheit.

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Mystras wurde im Jahr 1449 eine ganz besondere Ehre zuteil, als hier der letzte byzantinische Kaiser Konstantin XI. gekrönt wurde. Elf Jahre später wurde Mystras von den Osmanen erobert, die vorher bereits die Metropole Konstantinopel eingenommen hatten.

Nach einer kurzen Phase unter venezianischer Vorherrschaft übernahmen im Jahr 1715 wieder die Türken die Regentschaft in der Stadt. Der Niedergang begann im Jahr 1770 während des türkisch-russischen Krieges. Mystras wurde am Ende des 18. Jahrhunderts verwüstet und geplündert und erholte sich von diesem Rückschlag nicht mehr. Die Zerstörungen im griechischen Freiheitskampf im Jahr 1825 gaben der zu einer unbedeutenden Siedlung geschrumpften Stadt schließlich den Rest. Die letzten Einwohner verließen Mystras und gaben die historische Bausubstanz dem Verfall preis.

Festung Mystras: Mitteleuropäische Baukunst in Byzanz

Die Ruine der Festung Mystras ist ein Stück mitteleuropäische Architekturgeschichte an der Ägäis. Die Franken verwendeten einheimische Baupläne aus Mitteleuropa, die als Vorlage zum Burgenbau dienten. Die Festung Mystras könnte so oder so ähnlich auch auf einem Felsen über dem Rhein oder der Loire thronen. Angesichts der halb verfallenen Mauern, der Rundbogenfenster und Wehrgänge fällt es nicht schwer, das Klappern von Pferdehufen auf dem Kopfsteinpflaster, das Prasseln eines Kaminfeuers und das Klirren von Schwertern zu hören. Die ältesten Gebäude der Stadt stehen im oberen Bereich nahe der Festung. Einst lebten hier Handwerker und die Dienerschaft der Burgherren.

Mitropolis- die älteste Kirche in Mystras

Die erste Kirche in Mystras wurde noch vor dem Sieg der Byzantiner über die Franken gebaut. Sie trägt den Namen Mitropolis und steht auf einer etwa 600 m hohen Anhöhe. Dass die byzantinische Kreuzkuppelkirche mit einem fränkischen Glockenturm ausgestattet ist, steht symbolhaft für die wechselvolle Geschichte der byzantinischen Stadt. Geweiht ist das Gotteshaus dem Heiligen Dimitrius. Der römische Ritter erlitt in der Hafenstadt Thessaloniki das Martyrium. Die jahrhundertealten Fresken in der Kirche zeigen in Kleidung und Gesichtern deutlich den westlichen Einfluss. Ergänzt werden die Wandmalereien um byzantinische Abbildungen, wie ein Bildnis von Christus bei der Heilung eines Wassersüchtigen und eines Lahmen zeigt.

Klostergründungen in Mystras

Mit der Rückeroberung von Lakonien hielt im Herzen der Peloponnes wieder der byzantinische Herrschaftsstil Einzug. In Byzanz bildeten Staat und Kirche eine Einheit und konnten nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Es kam zu ersten Klostergründungen im Mystras. Die Klöster strahlten geistige und religiöse Kraft aus und zogen die besten Künstler und Gelehrte aus Konstantinopel an. Durch die außergewöhnliche Lage wurde das Kloster Peribleptos bekannt. Die Klosterkirche wurde teilweise in eine Felsgrotte gehauen. Nach der osmanischen Eroberung im 15. Jahrhundert wurde es dem Verfall preisgegeben. Die Klosterkirche überlebte die Jahrhunderte weitestgehend unbeschadet und noch heute sind im Inneren kostbare Fresken aus dem 14. Jahrhundert erhalten.

Pantanassa: Bewohnte Klosteranlage in Mystras

Auf halber Strecke zwischen der Festung und der Unterstadt steht mit dem Pantanassa-Kloster die einzige noch heute bewohnte Klosteranlage in Mystras. Sie wurde im 15. Jahrhundert gegründet und die zugehörige Klosterkirche wurde im Jahr 1428 geweiht. Im Innenraum sind wundervolle byzantinische Wandmalereien zu bewundern. Die Umwandlung zu einem griechisch-orthodoxen Nonnenkloster erfolgte im 19. Jahrhundert. Um die Hauptkirche des Klosterkomplexes gruppieren sich zahlreiche Gebäude, die von den Nonnen genutzt werden. Unter anderem gehören ein Refektorium, eine Zisterne, ein Hospital, eine Küche und Gästeunterkünfte zum Kloster Pantanassa. Die Bewohnerinnen betreiben in Eigenregie Landwirtschaft und organisieren den Verkauf der erzeugten Produkte selbst.

Mystras wurde im Jahr 1989 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Damit gab die Welterbekommission der byzantinischen Ruinenstadt ein Stück der Bedeutung zurück, die sie jahrhundertelang als ein geistiges und wirtschaftliches Zentrum des Byzantinischen Reiches innehatte.

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